10. September 2008 - Neuer Starttermin für GOCE
Foto: ESA-AOES-Medialab
Für den Start des GOCE-Satelliten gibt es einen neuen Starttermin. Der Termin war als Sicherheitsmaßnahme verschoben worden, nach dem es beim Start einer russischen Proton-Trägerrakete Probleme mit der oberen Stufe gab. Nachdem nun geklärt ist, dass der Rockot Launcher von GOCE nicht betroffen ist, wurde der 10. September 2008 als neuer Starttermin festgelegt.
Durch den neuen Starttermin muss GOCE bei ESA-ESTEC in den Niederlanden nochmals rekonfiguriert werden. Der Transport nach Plesetsk, der Raketenbasis im Norden Russlands, wird dann im Juli stattfinden. Von dort soll das 5 Meter lange, elegante Raumschiff auf seine erdnahe Umlaufbahn gebracht werden. Als Trägerrakete dient eine modifizierte russische SS 19 Intercontinentalrakete (Intercontinental Ballistic Missile -ICBM). Diese Adaption der SS-19, genannt Rockot, verwendet die beiden originalen unteren Stufen der ICBM zusammen mit einer oberen Stufe Breeze-KM für kommerzielle Nutzlasten.
Bis Anfang März dieses Jahres war GOCE genau im Plan für seinen Start Ende Mai. Nach dem Versagen einer Proton-Breeze M genannten oberen Stufe bei einem Start am 15. März jedoch setzte die Russische Staatskommission alle Starts aus, die eine Breeze-Stufe verwenden. Obwohl die GOCE-Breeze KM-Stufe sich von der größeren Proton Breeze-M-Stufe unterscheidet, haben sie doch einige gleiche Elemente. Die Untersuchung ergab, dass die Nutzung der Breeze-KM-Stufe sicher ist, so dass das System im Mai für den Start freigegeben wurde.

Durch seine niedrige Umlaufbahn und seine Neigung von 96,7° wird der GOCE-Satellit eine Phase von lang dauernden Eklipsen durchlaufen (an 135 Tagen mit einer Eklipsendauer von bis zu 28 Minuten pro Erdumrundung). Eine Besonderheit der Dynamik der Umlaufbahn ist, dass man frei wählen kann, ob diese Eklipse zwischen Oktober und Februar oder zwischen April und August stattfindet, indem man den Satelliten entweder morgens oder abends startet. Da der Start nun für September festgesetzt wurde, ist eine Eklipsenphase von April bis August besser. Beim Starttermin im Mai hätte man noch die Eklipsenphase im Winter wählen können. Der Unterschied zwischen diesen beiden Konfigurationen ist, dass von der Sonne aus betrachtet der Satellit entweder im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn um die Erde kreist, welches wiederum Einfluss auf die Satellitenkonfiguration hat. So müssen nun einige Aggregate, z.B. die Sternsensoren, ummontiert werden, was jedoch durch die flexible Konstruktion von GOCE relativ einfach zu machen ist. Diese Arbeiten werden in den Niederlanden durchgeführt. Von dort wird GOCE nach Abschluss der Montagearbeiten per Flugzeug zunächst nach Archangelsk in Russland transportiert, von wo aus die Reise dann mit der Bahn nach Plesetsk weitergeht. Dort finden die Abschlusstests statt.

